An(ge)dacht

Pfarrer Günther Kern-Kremp
Pfarrer Günther Kern-Kremp

Liebe Leserinnen und Leser,

Sommerzeit ist Reisezeit, ob real oder in unseren Gedanken und Träumen!

Wenn ich Ihnen jetzt sage, dass Gott auch auf Reisen ist, dann denken Sie vielleicht, typisch Theologe…Woher weiß der das?

Nein im Ernst! Öfter werde ich gefragt, was bedeutet eigentlich Dreifaltigkeit?

Wir haben die Dreifaltigkeitskirche in Borbeck und wir befinden uns im Kirchenjahr in der sog. Trinitatiszeit. Das bedeutet übersetzt „Dreifaltigkeit“. 

Im Bekenntnis der Alten Kirche zum dreieinigen Gott spiegelte sich der christliche Glaube wider, dass Gott nicht unbeweglich und einsam in sich ruht, sondern sich in immer neuen Beziehungen zu sich selber, zu uns Menschen und zur Schöpfung sich entfaltet. Dass Gott auf dem Weg ist, auf Reisen…sozusagen. Und wir werden dabei mitgenommen auf unserer ganz besonderen Lebensreise. 

Gott, Mensch und Natur sind in die Geschichte gegenseitiger Bewegungen und Beziehungen verstrickt. Denn wir Menschen nehmen Gott wahr in immer neuen Facetten. Dieses vielschichtige und mehrdimensionale Beziehungsgeflecht wurde theologisch immer mit Bildern aus der menschlichen Lebenswelt gefüllt und zu erklären versucht: Es ist ein und derselbe Gott, der  in vielfältigen Dimensionen unterwegs ist. 

Gott wird als Schöpfer, als innerer und tiefster Grund von allem, was ist, verstanden. Jesus Christus, den Sohn, glauben wir als die zu den Menschen und in die Todeswelt reisende, uns erlösende menschliche Dimension Gottes. Der Heilige Geist wird als Lebenskraft und Neuschöpferin bezeichnet. Es gibt auch andere Bilder, um das Geheimnis der Dreifaltigkeit zu veranschaulichen

So versuchte der Kirchenvater Augustinus Dreifaltigkeit in Analogie zur Beziehung Liebender, Geliebter und Liebe zu veranschaulichen. So wie ein Liebender ein geliebtes Gegenüber braucht, um zu lieben, so sind beide in einem Dritten, nämlich ihrer Liebe vereint. Und diese Liebe ist, immer auch eine aufregende Reise. Andere Theologen haben im Anschluss an die Philosophie in der Dialektik von These, Antithese und Synthese Ähnlichkeiten zur Dreifaltigkeit sehen wollen. Gemäß dieser Betrachtungsweise ist die Geschichte der Menschen und ihrer Welt selber eine mitunter gefährliche Abenteuerreise.

Wie dem auch sei: die Dreifaltigkeit bleibt ein Geheimnis.

Spannender finde ich, wenn wir in unserem eigenen Leben spüren können, was es bedeutet: Gott ist immer auf dem Weg zu mir, Gott findet sich in uns wieder, ohne sich dabei zu verlieren. Er ist uns nahe und bleibt uns doch Gegenüber: Zumutung und Gesetz, Infragestellung und Hoffnung! 

Gott leidet mit uns und er freut sich mit uns. Er trägt uns und fordert uns gleichzeitig heraus. Er straft und tröstet . So finden wir uns immer wieder neu von Gott auf die Lebensreise geschickt. Wie Paulus sagt.“ In ihm leben, weben und sind wir“ (Apg.17,28).

Dreifaltigkeit also: diese heute ziemlich schwer nachvollziehbare Lehre von Gottes Einheit in der Vielheit, was könnte sie heute für uns noch bedeuten? Vielleicht bringt  uns der in dieser Lehre zu findende Hinweis weiter:  Mit dem fremden Anderen in Beziehung sein zu können ohne sich selbst zu verlieren und dabei gleichzeitig etwas Neues hervorzubringen, - etwas, das eben wirklich nur die Liebe schafft, -   was könnte uns im Zusammenleben mit anderen Menschen und im Dialog mit den anderen Religionen mehr inspirieren?

Mal sehen, wohin die Reise geht! Ganz gleich wohin, er, sie, es ist immer dabei!

Ihr Günther Kern-Kremp, Pfarrer

Übrigens findet an jedem ersten Donnerstag im Monat um 20 Uhr in der Matthäuskirche eine Taizé-Andacht statt, zu der wir Sie herzlich einladen.

Teilen: