An(ge)dacht

Pfarrer Christoph Ecker
Pfarrer Christoph Ecker

So halten wir nun dafür, dass der Mensch gerecht werde ohne des Gestzes Werke, allein durch den Glauben.

Röm 3,28

 

Am 31. Oktober jährt sich zum 500. Mal der Jahrestag der Reformation. Das ganze Jahr über wurde in vielen Veranstaltungen des Jubiläums gedacht und die Reformation aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln gewürdigt und auch kritisch bedacht. Die vielen Veränderungen, die die Reformation in Bezug auf den Glauben, das Denken, die Kirche und die Gesellsschaft bewirkt hat, gründen letztlich auf Luthers Erkenntnis, dass allein die Heilige Schrift als Maßstab und Richtschnur zu gelten hat. Sein an dieser Autorität geschärftes Gewissen verschaffte ihm die Freiheit, für eine grundlegende Erneuerung der Kirche und die daraus erfolgten Veränderungen in Gesellschaft und Staat. Doch Reformation ist nicht Geschichte, sondern eine ständige Aufgabe der Kirche und an der Kirche. Keiner hat das deutlicher betont als Martin Luther selbst. „So halten wir nun dafür, dass der Mensch gerecht werde ohne des Gestzes Werke, allein durch den Glauben.“  Dieser Vers aus dem Römerbrief ist zu einem Schlüsselsatz der Reformation geworden. Gott sagt: Du bist mir recht. Dieser eine kleine Satz, hebt alles aus den Angeln, dieser kleine Satz verändert mich, das Miteinander, die Kirche, die Welt. Diese Aussage ist der Grund für die „Freiheit eines Christenmenschen“. Ich muss meinen Wert, meine Bedeutung und Wichtigkeit nicht mehr definieren durch das, was ich tue, durch das, was ich habe, durch das, was andere von mir halten und denken. Ich bin frei. Du bist mir recht, sagt Gott, du bist mir Wert, du bist von Bedeutung, du bist mir wichtig, so, wie du bist. Nicht, weil du so toll bist, nicht, weil ich alles gutheiße, was du tust - beileibe nicht. Nicht, weil du so viel leistest und so viel kannst - sondern einzig und allein weil ich dich liebe. Und da ich das allein durch die Bibel erfahre, kommt Luther zur Erkenntnis: allein die Schrift, allein die Gnade, allein der Glaube, allein Christus. Das hebt alles aus den Angeln, auch heute. Es ermöglicht uns, die Kirche, unsere Gemeinde zu erneueren und zu verändern, immer wieder zu fragen, wie muss Kirche, wie muss Gemeinde gestaltet sein und leben, um glaubwürdig die befreiende Botschaft heute zu verkünden? Das ist unser aller Aufgabe. Auch unsere Gemeinde wird und darf nicht so bleiben, wie sie ist. Auch sie wird sich verändern müssen. Die Reformation ist noch lange nicht vorbei.

Übrigens findet an jedem ersten Donnerstag im Monat um 20 Uhr in der Matthäuskirche eine Taizé-Andacht statt, zu der wir Sie herzlich einladen.

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