An(ge)dacht

Pfarrer Johannes Brakensiek
Pfarrer Johannes Brakensiek

Liebe Leserin, lieber Leser,

ein Junge hilft dem Pfarrer, einen Hühnerstall zu bauen. Als er fertig ist, gibt der Pfarrer ihm einen Briefumschlag. Zu Hause öffnet der Junge ihn, darin steht: „Du bist Gottes Sohn, du brauchst keinen Lohn.“ Am nächsten Tag sind die Hühner des Pfarrers weg und der Pfarrer findet einen Zettel im Stall: „Du bist Gottes Diener, du brauchst keine Hühner.“

Dieser Witz nimmt schön aufs Korn, dass wir für unsere Arbeit Ergebnisse und Anerkennung erwarten. Doch was machen wir, wenn wir scheitern und uns mit der Frage konfrontiert sehen, ob wir Fehler gemacht haben?

Im zweiten Teil des Jesaja-Buches der Bibel fühlt sich ein Mensch von Gott beauftragt. Aber es stellt sich nicht das gewünschte Ergebnis ein und er ist erst einmal sehr ehrlich mit sich: „Ich aber dachte: »Ich habe mich vergeblich abgemüht. Ich habe meine ganze Kraft erschöpft und nichts erreicht.«“ (Jes. 49,4)

Aber das war nur seine Perspektive, das dacht er nur. Und dann merkt er: »Doch der Herr wird mir zu meinem Recht verhelfen und meine Mühe belohnen.«

Wir messen Fehler und Scheitern oft am Ergebnis der Arbeit: Ist etwas nicht so, wie wir es uns gewünscht haben, dann leidet unser Selbstwert. Doch der Gottesmann erfährt gerade in seinem Scheitern Gottes Nähe: „Und nun hat der Herr zu mir gesprochen, er, der mich schon im Mutterleib dazu bestimmt hat“. (Jes. 49,5) Er versteht: Er erhält von Gott seine Begabungen und Talente, von Gott hat er seinen Wert. Er hat ihn trotz allem zu Großem bestimmt. „An dir will ich meine Herrlichkeit sichtbar machen“, sagt Gott u.a. im Text.

Hier wird beschrieben, was für den protestantischen Glauben zentral ist. Gott nimmt uns in seiner Liebe an. Der Gottesknecht bei Jesaja ist wie wir alle: Er ist mehr als seine Grenzen und sein Scheitern, er ist ein Geschöpf Gottes, das von Gott seine Würde und seine Anerkennung bekommt. Und wo seine Möglichkeiten scheinbar zu Ende sind, da beginnen Gottes Möglichkeiten. Er ist als Mensch zu etwas gut, unabhängig vom sichtbaren Erfolg. Das Scheitern wird nicht geleugnet, aber im Gespräch mit dem allmächtigen Gott bekommt es einen anderen Stellenwert. Wir müssen unsere Fehler nicht ausblenden und verschweigen, sondern im Glauben können wir entspannt(er) mit ihnen umgehen.

In diesem Sinne: Bewahren Sie sich Ihre guten Vorsätze für 2019, aber wenns nicht klappt: Rechnen Sie damit, dass Gott anderes und vielleicht größeres mit Ihnen vor hat!

Herzlich,

Ihr Pfarrer

Johannes Brakensiek

Übrigens findet an jedem ersten Donnerstag im Monat um 20 Uhr in der Matthäuskirche eine Taizé-Andacht statt, zu der wir Sie herzlich einladen.

Presbyteriumswahl 2020

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