An(ge)dacht

Pfarrerin Ulrike Schreiner-Menzemer
Pfarrerin Ulrike Schreiner-Menzemer

„Was betrübst du dich, meine Seele

und bist so unruhig in mir?“ Psalm 42,5

Noch leuchtet die helle Septembersonne über unsere Welt und wirft Schatten, die länger werden. Wenn Sie, liebe Leser dieser Gemeindebriefausgabe in den Händen halten, ist der Herbst gekommen und lässt unser Leben sicher schon in einem anderen Licht erscheinen. Wir gehen der dunkleren Jahreszeit mit seinen Gedenktagen entgegen.

„Was betrübst du dich, meine Seele und bist so unruhig in mir?“

Welch eine Frage!

Wir wissen doch, was uns Sorgen macht macht, was uns in Anspannung versetzt.

So viele Gründe, die so viele Menschen umtreiben: Die Angst um Partnerschaft, die auf der Kippe steht, die Frage, wie die neuen Winterschuhe für das Kind bezahlt werden können, die Kräfte, die nachlassen, das Bangen um Menschen, die krank sind, die Abschiedstrauer, die uns immer noch manche Nacht wach hält.

„Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir?“

Was für eine Frage, die uns aus dem Psalm 42 entgegenkommt.

Wir wissen doch, was uns das Herz schwer macht. Die Zukunft unserer Gemeinde und der Arbeit, die darin geschieht. Auch stehen uns die Bilder von Chemnitz und Köthen vor Augen; sie erschrecken. Die Warnungen kritischer Finanzexperten deuten an, wie instabil die weltwirtschaftlichen Zusammenhänge sind. Wir haben gute Gründe, uns beunruhigen zu lassen. 

„Harre auf Gott, denn ich werde ihm noch danken.“, fährt der Beter des 42. Psalms fort.

Ist diese Gedanke und Rat hilfreich? Für mich, für viele Menschen: Ja!

Denn „harren“ bedeutet, erstmal aushalten, Ruhe finden und Ruhe bewahren.

Er bedeutet auch, der Unruhe und den Klagen eine Richtung geben, hin zu Gott, der uns nahe ist in der Traurigkeit und uns, darin und darüber hinaus,Wege ins Leben zeigt. 

Der Psalmbeter richtet unseren Blick hin zu Gott, der uns immer wieder neu zu Worten und Taten, die der Gerechtigkeit dienen, ermutigt. Wir brauchen uns nicht in unsere Sorgen vergraben und von ihnen lähmen lassen. Wir können gemeinsam „harren“, nachdenken, zweifeln ,hoffen und handeln. Wir können gemeinsam dem „Danken“ nachspüren.

Denn wir erleben auch, was trägt und hält: ein tragendes Netz von Menschen, die sich gegenseitig trösten und ermutigen können, erfahrene Solidarität, in der Familie in der Nachbarschaft, in den Gruppen und Kreisen unserer Kirchengemeinde. 

Dafür können wir dankbar sein, und der Dank dafür setzt neue Kräfte frei.

Die Andachten und Gottesdienste in den kommenden Wochen geben uns dazu Raum und Gelegenheit. 

Ich wünsche uns allen weiterhin eine gute „Unruhe“, die uns in Bewegung bringt, und zu gleich ein Gespür für das „Danke“, das uns bei Gott geborgen sein lässt. 

U. Schreiner-Menzemer, Pfarrerin

Übrigens findet an jedem ersten Donnerstag im Monat um 20 Uhr in der Matthäuskirche eine Taizé-Andacht statt, zu der wir Sie herzlich einladen.

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