An(ge)dacht

Pfarrer Johannes Brakensiek
Pfarrer Johannes Brakensiek

Achtung, Spoileralarm!

Die letzte Staffel der TV-Serie „Game of Thrones“ habe ich noch nicht gesehen. Ich weiß also nicht, wer zuletzt wie stirbt - das ist ja irgendwie das Spannendste an dieser Serie. Würde das jemand spoilern (mir vorher verraten), wäre das eine üble Sache. Sowas tut man nicht.

Es lässt sich aber vermuten, dass die Falschen dramatisch sterben. Wie das für den Verlauf dieser Geschichte von George R.R. Martin üblich ist. Hoffnung auf ein Happy End gibt es da nicht.

Ich finde: Zum Glück sind andere Geschichten anders. J.R.R. Tolkien hat sich in seinem Fantasy-Epos „Der Herr der Ringe“ von verschiedenen christlichen Gedanken inspirieren lassen. Auch hier

stirbt die halbgottähnliche Zaubererfigur Gandalf der Graue. Doch es gibt Grund zur Hoffnung. Er ersteht als „Gandalf der Weiße“ wieder auf, wird Unterstützer und Helfer der Gefährten auf dem Weg zur Rettung von Mittelerde.

In der biblischen Erzählung von Hiob schildert Hiob in einer seiner Reden an seine Freunde etwas Ähnliches. Schreckliche Schicksale hat er erlebt. Seine Freunde wollen ihm einreden, dass er doch jetzt alle Hoffnung fahren lassen muss und sich seinem Schicksal ergeben soll.

Doch Hiob sagt: „Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und als der Letzte wird er über dem Staub sich erheben.“

In der schlimmsten Situation seines Lebens formuliert er seine Überzeugung, dass es bei dem lebendigen Gott immer noch eine Hoffnung gibt. Nach Krankheit, Tod der Kinder, wenn alles in Schutt und Asche versinkt, dann ist er immer noch oder vielleicht auch wieder da. Davon ist er überzeugt.

Spoiler: Tatsächlich rettet Gott Hiob in der biblischen Erzählung und führt ihn zurück zu Leben, Gesundheit und Anerkennung.

Diese Hoffnung auf Leben ist für mich grundlegend auch für den christlichen Glauben: Der Glaube daran, dass es sich tatsächlich so verhält wie die vier Evangelisten es dann ganz ähnlich im Neuen Testament berichten: Am Ende siegt nicht der Tod, sondern mit Jesus Christus kehrt Gott als Erlöser lebend zurück.

Dieser christliche Gedanke ist in der jüdischen Tradition verwurzelt wie wir das bei Hiob lesen können. Tolkien nimmt diese Überzeugung in seinem Werk über Mittelerde wieder auf, z.B. bei Gandalf, der als der weiße Zauberer zurückkehrt. Wie unser Leben verlaufen wird, wissen wir nicht. Das Leben ist mit Sicherheit manchmal schwer und traurig. Und ob es nach unserem Ende noch etwas gibt – 100% sicher sein können wir da nicht.

Aber ich glaube ganz fest (Achtung, Spoileralarm!): Weil Christus auferstanden ist, gibt es auch für uns einen guten Ausgang.

Ich wünsche Ihnen einen frohen und gesegneten Herbst!

"Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt." Monatsspruch für den Monat November aus Hiob 19,25 (L)

 

Ihr Pfarrer Johannes Brakensiek

Übrigens findet an jedem ersten Donnerstag im Monat um 20 Uhr in der Matthäuskirche eine Taizé-Andacht statt, zu der wir Sie herzlich einladen.

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