An(ge)dacht

Pfarrer Günther Kern-Kremp
Pfarrer Günther Kern-Kremp

Liebe Leserinnen und Leser,

 

Alle Jahre wieder... mal! Das Fest der Liebe steht vor der Tür.

Vielerorts nur noch ein Fest des Konsumierens. Die Werbung versteht es, Wünsche zu wecken. Wir wollen haben…, doch um welchen Preis?

Sind unsere Schränke und unsere Schubladen noch nicht voll genug? So vieles davon wurde über die Jahre gar nicht mehr genutzt. Aber wir wollen doch durch Schenken auch unsere Zuneigung ausdrücken. Und unsere Wirtschaft muss doch brummen!

Ich frage mich: Brauche ich das alles wirklich? Ist aus der weihnachtlichen Freude unter der Hand nicht schon längst eine Last geworden? Was soll ich schenken.?! Qual der Wahl! Wir wollen ja niemanden enttäuschen und spielen wohl oder übel das Spiel alle Jahre wieder mit.

Es ja ist so verführerisch der Werbung zu glauben, dass wir durch Haben von immer mehr dann auch glücklich und zufrieden werden. Und wir wollen doch anderen an Weihnachten ein Freude bereiten! 

Aber wie leicht lassen wir uns durch das, was wir kaum längerfristig beachten und ebenso schnell wieder vergessen, von uns selber abbringen. Benutzen wir nicht gerade das weihnachtliche Brauchtum, den „Kauf- und Geschenke-Rausch“ und die damit einhergehende Geschäftigkeit, um uns selber aus dem Weg zu gehen? 

Weil wir dann das „Andere“ in der dann entstehenden Leere in uns und um uns herum fürchten!

Ja, alles, was wir tun, aber auch, was wir nicht tun, lässt Spuren in uns zurück.

Advent feiern heißt warten können und ich möchte hinzufügen, die Leere aushalten können. Denn das ist eine Kunst, die unsere ungeduldige Zeit vergessen hat.

Auf die größten, tiefsten und zartesten Erfahrungen in der Welt müssen wir warten und sie in uns wachsen lassen. Dafür müssen wir aber innerlich auch bereit werden. 

Mit wieviel Gerümpel und Müll ist manche Seele zugestopft wie in einem Messie-Haushalt!, Advent feiern heißt auch innen aufräumen, um offen zu werden für das wirklich Wichtige im eigenen Leben. 

Da geht nichts im Hauruck-Verfahren und auch nicht im Machbarkeitswahn. Erst recht nicht käuflich!

Da geht es nach den göttlichen Gesetzen zu, nach den Gesetzen des Säens, des Wachsens und des Werdens.

Und das bewirkt Gott in uns. Da sind nicht wir die Macher. Wir sind höchstens die, die es zulassen können.

Gott nimmt in der Geburt Jesu Christi im Stall von Bethlehem die Menschen und seine ganze Schöpfung von Neuem an.

Die Wirklichkeit, die hier bezeichnet wird, ist die Liebe, die uns entgegengebracht wird und die in allem sein kann, was uns begegnet. Im Wunder des Lebens, in der Fülle der Schöpfung, in der Grenzen sprengenden Liebe. Aber manchmal auch in Momenten der Traurigkeit, des Zögerns und Zweifelns.

Eben in den Erfahrungen, dass wir leben dürfen. Dass Andere uns sehen, dass wir ihnen wichtig sind und dass sie uns ertragen... Und umgekehrt, dass wir andere sehen, sie wertschätzen und auch mal ertragen, so wie sie sind.

Da sind dann die alltäglichen Begegnungen, die mir zu denken geben. 

Die Erfahrungen eines guten Gesprächs und gelingender Gemeinschaft, die allen Beteiligten gerecht wird. 

Solches sind die wahren Geschenke! In diesen Momenten geht ein Stern auf und vielleicht bemerkst Du dann, wie Christus in Deinem Herzen geboren wird.

Ihnen allen eine gesegnete Weihnachtszeit und ein gutes Neues Jahr 2019 !

 

Ihr

Pfarrer Günther Kern-Kremp

Übrigens findet an jedem ersten Donnerstag im Monat um 20 Uhr in der Matthäuskirche eine Taizé-Andacht statt, zu der wir Sie herzlich einladen.

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