An(ge)dacht

Pfarrer Günther Kern-Kremp
Pfarrer Günther Kern-Kremp

„…Wissen Sie, ich persönlich hätte keine Wunder gebraucht.

Mich persönlich hatten seine Worte ja angesprochen!

Die Rede vom Reich der Himmel, das keine Revolution ist, 

nichts Schlagartiges, Heftiges, Abruptes

sondern etwas, das wächst, langsam und beständig, …sanft,

-  in uns und zwischen uns.

Wie eine Knospe im Frühjahr, die sich entfaltet und dann irgendwann Frucht bringt.

Das Reich der Himmel ist in uns, es wohnt in uns!

Und ist doch so öffentlich, ja „politisch“:

Letzte werden Erste sein hier und dort.

Hungernde werden satt und Blinde sehen,

und die Armen haben wieder etwas zu lachen, weil sie nicht mehr arm gehalten werden.

Aber ich will nicht predigen. Ich will Ihnen nur erklären, was mich so fasziniert hat.

Ja, er hat mich als Mensch angesprochen, ganz persönlich, ganz direkt…

Nahe bei seinem Grab an diesem Morgen im Garten

drei Tage nach dieser barbarischen Kreuzigung

durch die Römer. Glauben Sie mir, da war all das, worauf ich gehofft hatte,

all das, was mir lebenswichtig geworden war, wieder da!

Und ich wusste: Sie haben ihn nicht tot machen können.

Er war da! Mit seinen Gedanken, mit seinem Geist, mit seiner neuen Wirklichkeit,

schon mitten in der Alten. Damals in diesem Olivenhain am ersten Ostermorgen.

Und er war da – ja, auch später!

Wenn wir zusammen waren, wenn wir Brot und Wein und das Leben und seine Möglichkeiten miteinander teilten.

Auf geheimnisvolle Weise, nicht nur in Gedanken war er da, sondern irgendwie fühlbar

mitten unter uns.

Und vor allem: die Angst war nicht mehr da!

Nein, das stimmt so nicht, das wäre zu vollmundig.

Natürlich hatten wir, -hatte ich- weiterhin Angst,

aber die Angst lähmte mich nicht mehr.

Diese verdammte Angst, den Mund aufzumachen,

einfach mein Leben zu leben,… Mein Eigenes!

Die Angst vor einer Welt, die mir nur feindlich vorkam,

sie war nicht mehr alles.

Ich hatte eine Ahnung davon, dass diese Angst hinter einem sein kann,

weil man selber spürt, dass da etwas ist , das nicht fortgehen kann für immer. Das immer da sein wird –für mich.

…Ja, und das hat mit ihm zu tun, durch ihn kommt dieses Vertrauen.

Und so war er mitten unter uns,…

- seit diesem Morgen…!“

 

 

Liebe Leserinnen und Leser,

so ähnlich stelle ich mir vor,

würde Maria Magdalena uns heute von jenem Ostermorgen erzählen, an dem sie erfahren hat, wie der auferstandene Jesus ihr Leben veränderte.

So fragen heute auch Menschen, wo er uns anspricht, uns, seine Gemeinde!

Und wann er das tut. Und wie. Mit welchem Wort. Mit welcher Geste?

Und wie das, was wir  von seiner Auferstehung gehört haben, mit unseren Lebenserfahrungen  zusammen geht.

Wie uns das verändert.

Denn auch Maria und die Jünger mussten ja an Ostern neu sehen lernen. Eine neue Wahrnehmung mit Blick auf ihr Leben einüben. Gemeinsam ist uns heute mit Maria Magdalena vielleicht, dass nach wie vor die Angst regiert, die Angst vor Verlust, vor Versagen, vor dem Zu- Kurz- Kommen, die Angst vor Krankheit, Sterben und Tod.

Und wo er unsere heutige Angst vielleicht nicht wegzaubert, wohl aber uns jetzt schon die Kraft gibt, uns von ihr nicht mehr bestimmen und lähmen zu lassen.

Und damit neue Wege, neue Sichtweisen und Horizonte öffnet.

Da fällt mir Vieles ein:

Gute Gedanken, interessante Gespräche und Begegnungen, gute Worte, liebevolle Gesten.

Engagement für die, denen es nicht so gut geht,...

Musikstücke…, Meditationen, Bilder, Gebete,…, Bücher …, Seine Worte aus der Bibel...,

Überall sind sie zu finden, die –oft verborgenen und neu zu entdeckenden- Hinweise  auf sein großes unsichtbares Reich, in dem der Tod überwunden ist und an dem wir schon Anteil haben.

Dessen Wirklichkeit jetzt schon aufscheint,… überall wo Gutes erfahren wird und wo Gutes weitergegeben wird. 

Wo in uns das Gefühl stark wird:

„Von guten unsichtbaren Mächten wunderbar geborgen!“

Ich wünsche Ihnen allen eine gesegnete Osterzeit!

Ihr Pfarrer Günther Kern-Kremp

Übrigens findet an jedem ersten Donnerstag im Monat um 20 Uhr in der Matthäuskirche eine Taizé-Andacht statt, zu der wir Sie herzlich einladen.

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