An(ge)dacht

Pfarrer Christoph Ecker
Pfarrer Christoph Ecker

Liebe Leserinnen und Leser,

wenn sich in diesen Tagen viele Menschen in den Urlaub aufmachen, dann wissen sie für gewöhnlich ganz genau, wohin es geht. Viel ist überlegt und geplant worden für die sogenannten „schönsten Wochen“ im Jahr. Doch trotz aller Vorbereitung wissen auch wir letztlich nicht, was uns erwartet und mit welchen Erlebnissen und Erfahrungen wir wieder nach Hause kommen. Abram und Sara machen sich nicht in den Urlaub auf, sondern brechen „ihre Zelte ab“, ohne zu wissen, wohin es geht und in dem Wissen, dass es keine Rückkehr nach Hause gibt. Wir kennen die Geschichte von Abram, der sich von Gott herausrufen lässt aus seiner Heimat, aus allem, was ihm Sicherheit und Geborgenheit gibt und der auf den Ruf Gottes mit seinem Aufbruch antwortet. Er bricht auf, weil er glaubt, weil er auf Gottes Zusage und Verheißung vertraut. Er geht in eine ungewisse, unsichere Zukunft, weil er sich auf Gottes Wort verlässt. Wir wissen, Abrams Weg wird nicht leicht sein und er wird lang werden. Er wird sich auf diesem Weg sogar noch einen neuen Namen machen (Abraham).Wir wissen das. Aber Abram weiß das nicht. Und trotzdem macht er sich auf, bricht auf ins Ungewisse im Vertrauen darauf, dass Gott mit ihm geht. Da zog Abram aus, wie der Herr zu ihm gesagt hatte. 

Doch alles loslassen, sogar freiwillig wie Abraham, sich auf den Weg machen und dann noch ins Ungewisse? Wer kann das schon? Wer will das schon? Urlaub - das ist was anderes. Doch der Segen Gottes wird unterwegs erfahren, auf dem Weg - wie die Geschichte von Abraham deutlich macht. Es muss ja nicht gleich heißen, dass auch wir „Haus und Hof“ verlassen. Es gibt viele andere Aufbrüche und Umbrüche in unserem Leben:  den Auszug aus unseren Erfahrungen - das war schon immer so, der Auszug aus unseren Überzeugungen, weil sie nicht mehr stimmen, der Auszug aus unseren Gewohnheiten. Wenn wir zurückblicken, so wird jeder und jede von uns wohl schon den einen oder andern Aufbruch und Umbruch im Leben mitge-macht haben, manchmal freiwillig, aber meisten eben nicht nicht freiwillig. Und vielleicht kann mancher und manche von uns im Rückblick bestätigen, dass gerade solche Bruchstellen - bei allem Schmerz, den sie mit sich brachten - Schritte zum Segen waren. Das gilt übrigens auch für eine Gemeinde. Das gilt auch für unsere Gemeinde, die sich aufmachen muss, Abschied nehmen muss von Vielem, was uns teuer und wert ist, wenn wir Zukunft haben wollen, wenn wir Gottes Segen erfahren wollen. Wir sind ja gerade in solch einer Umbruchsituation, beraten wie es weiter gehen kann und soll, in dem Wissen, dass es nicht so bleiben kann und darf, wie es ist, wenn es weitergehen soll. Wir sind aufgerufen und eingeladen, diesen Umbruch und diesen Aufbruch zu gestalten, wenn wir nicht wollen, das es irgendwann andere sind, die das für uns tun, oder die Um-stände, die uns dazu zwingen. So bitte ich Sie, diese Veränderungen mitzugestalten und sich in den Prozess mit Ihrem En-gagement einzubringen. Der Aufbruch Abrahams kann und will uns dazu ermutigen, denn der Aufbruch ist mit Gottes Segen verbunden.

Ihr Christoph Ecker, Pfarrer

Übrigens findet an jedem ersten Donnerstag im Monat um 20 Uhr in der Matthäuskirche eine Taizé-Andacht statt, zu der wir Sie herzlich einladen.

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