An(ge)dacht


Pfarrer Kai Pleuser
Pfarrer Kai Pleuser

Evangelium und das Krisen-Gelaber

 

Liebe Leserinnen und Leser,

 

merken Sie es auch? Je unsicherer die Zeiten, desto mehr wird gelabert. Und ich ertappe mich selbst dabei, über Dinge zu reden, von denen ich gar keine Ahnung habe, über die neueste Corona-Strategie der Politik zum Beispiel. Gelabert wird in allen Teilen der Gesellschaft. Auch in der Pfarrerschaft.

 

Mir fällt ein Vers aus der Bibel ein: „Lasst kein faules Gelaber aus eurem Munde gehen, sondern redet, was gut ist, was erbaut und notwendig ist, damit es Gnade bringe denen, die es hören“ (Epheser 4,29). Sollen wir also einfach die Klappe halten, wenn wir keine Ahnung haben? – Wenn es darum geht, anderen Menschen, die sich mit der Problematik besser auskennen, einfach mal zu vertrauen, dann heißt die Antwort für mich klar: Ja, genau! Einfach mal den eigenen Senf für sich behalten. In der frühen Christenheit hielt man viel von guter Arbeitsteilung und Teamarbeit. Auch wir Pfarrpersonen sollen nicht jedes Problem lösen, sondern denen vertrauen, die sich in einem Bereich auskennen. 

 

Aber der Bibelvers zielt noch auf etwas anderes ab: Jeder Mensch braucht nämlich Zuspruch. Mut, Hoffnung, Zuversicht und gute Energie kommen aus dem Hören. Darum beginnen wir besonders dann zu labern, wenn es uns nicht so gut geht, wenn wir Angst haben, zum Beispiel in Krisenzeiten. Wir fischen im Trüben und reden drauflos, um aus dem Gefühl der Hilflosigkeit herauszukommen, um uns selbst und anderen gut zuzureden. Und unser Gelaber ist häufig auch der Versuch, zu einer verantwortungsbewussten eigenen Entscheidung zu kommen.

 

Ja, auch wir Pfarrerinnen und Pfarrer fügen in diesem Sinne unser Gelaber hinzu – und ich hoffe, es ist aufbauendes Gelaber. Hoffen wir, dass es der frohen Botschaft den Weg bereitet. Der Botschaft, dass wir nicht alle Experten und schon gar nicht perfekt werden müssen, um auf Gottes Rettungstat hoffen zu dürfen. Gott will, dass wir alle – so dilettantisch, wie wir sind – Verantwortung übernehmen: uns eine Meinung bilden, darüber sprechen und nach unserem Vermögen zum Wohle aller handeln. In der Gemeinde und dort, wo wir unseren Platz in der Welt haben. Möge Gott dafür Sorge tragen, dass unsere Zukunftsangst nicht übermächtig wird. Er hat zugesagt, unser unperfektes Reden und Tun zu vollenden.

 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen: Kommen Sie gut durch die Zeit!

 

Kai Pleuser, 

Ihr neuer Pfarrer