An(ge)dacht


Pfarrer Michael Banken
Pfarrer Michael Banken

Kannitverstan

 

Liebe Leserinnen und Leser, in die Monate Juni und Juli star- ten wir mit dem Pfingstfest. Was kann uns das sagen? Pfingsten ist ein Fest der Gemeinschaft, an dem damals viele Menschen in Jerusalem zusammengekommen sind. Das passt heute nicht so besonders; so weit sind wir noch nicht. Pfingsten war auch das Fest der Begeisterung für einen neuen Weg des Glaubens. Naja. Soll damit die digitale Kirche gemeint sein? Da entstehen gerade viele faszinierende Möglichkeiten, aber ist das ein Ersatz für konkretes Zusammentreffen? Vielleicht kann Pfingsten für uns das Fest des Verstehens werden. Mit Gottes Hilfe verstehen Menschen die Sprache des Glaubens und der Liebe. Mit Hilfe von Gottes Geist verstehen Menschen einander als Kinder Got- tes. Schön wär ́s schon.

Ich glaube, es war bei einem Abendgottesdienst auf dem Kirchentag. Die Pfarrerin begrüßte die Gemeinde, also die Einheimischen und die Gäste, zu diesem besonderen Anlass. Alle wurden freudig eingestimmt auf den gemeinsamen Abend mit Gottesdienst und Essen. Da bemerkte die Pfarrerin zwei Schwarze unter den Teilnehmenden. Sie reagierte schnell und schob eine Begrüßung auf Englisch nach. Denn wirklich alle sollten sich an diesem Abend willkommen fühlen. Das war sehr freundlich gedacht und geistesgegenwärtig gehandelt. So viel Verständnis und Spontaneität! Ich habe diese Pfarrerin sehr bewundert. Denn ich bin nicht immer so geistesgegenwärtig. Ich begreife nicht immer sofort, was dran ist und gut tut. Oft fällt mir so etwas erst im Nachhinein ein. Und dann ist es meist zu spät. Toll, dass die Pfarrerin so schnell geschaltet hat. Das war ein Glück!

Aber was wie Glück aussieht, ist gar nicht immer welches: Denn die Schwarzen verstanden kein Englisch. Sie stammten aus einem französischsprachigen Land Afrikas. Vielleicht bemerkten sie wenigstens die warmherzige Zuwendung. Aber sie verstanden kein Wort. So ein Pech. So schwer kann das sein mit dem Verstehen. Da hat man es gut gemeint und sich alle Mühe gegeben – und dann fruchtet es doch nicht. Da hat man versucht, sich verständlich zu machen, aber irgendwie kriegt man nicht rüber, was man eigentlich sagen will. Da probiert man, auf eine/n andere/n zuzugehen, aber irgendetwas steht dann doch dazwischen. Das ist schade.

Zum Glück ist diese Geschichte vom Kirchentag aber noch nicht zu Ende. Denn die Schwarzen waren nicht allein. Sie hatten eine Bekannte dabei, die übersetzte ihnen die Begrüßung ins Französische. So verstanden sie am Ende doch, freuten sich über die herzliche Begrüßung und fühlten sich mit einbezogen. So ein Glück.

Die Pfingstgeschichte erzählt, wie die Freunde Jesu auf die Menschen zugingen mit der guten Nachricht von Jesus Christus. Und dann heißt es: die Menschen verstanden diese Botschaft, selbst diejenigen aus fremden Ländern mit anderen Sprachen. Das klingt wie ein Wunder und ist es auch. Uns aber macht es aufmerksam auf alles gute Verstehen. Oft erscheint es uns selbstverständlich, aber in Wirklichkeit ist es ein Glück, dass wir uns mit vielen Menschen gut verstehen.

Natürlich kennen wir auch die andere Erfahrung, selbst wenn wir dieselbe Sprache sprechen. Manches wird bewusst missverstanden; andere hören zwischen den Zeilen ganz andere Signale als gemeint. Wir kennen das zur Genüge, wie schwer die Verständigung sein kann. Manchmal tut das richtig weh.

Das Erlebnis vom Kirchentag lehrt mich, dass unsere Bemühungen nicht vergeblich sein müssen, auch wenn es mal danach aussieht. Denn Gott hat immer noch Möglichkeiten. Auch wenn wir mal nicht weiter kommen und denken: So ein Pech! Dann weiß er noch andere Wege, damit wir einander besser verstehen und damit wir auch ihn immer besser verstehen. Versuchen wir es weiter – mit Gottes Hilfe.

Michael Banken