Konfirmanden gedenken der Opfer des Dritten Reiches

Die Konfirmanden der Kirchengemeinde haben sich in der letzten Zeit mit den in Borbeck und Umgebung ausgelegten Stolpersteinen beschäftigt. Auch heute, am Jahrestag der Reichspogromnacht 1938 sind Konfirmanden in Borbeck unterwegs, polieren die Steine, halten eine kurze Mahnwache und erinnern an die Verschleppten, Verfolgten und Ermordeten der nationalsozialistischen Herrschaft.

Eine Auswahl der Steine zeigen wir hier und weisen auf die mit ihnen verbundenen Schicksale hin:

Engelbert Ayon

Geb. 8.5.1925, 22.4.1942 nach Izbica verschleppt. Grund der Verfolgung: Jude.

Ort: Theodor-Hartz-Str. vor der kath. Kirche St. Johannes Bosco (früher: Spielstr. 6).

Stolperstein am 24.1.2006 verlegt. Paten: Familien Hirschsohn, Rupprecht u. Wronski.

Karl Ayon kam 1919 aus Polen nach Essen und arbeitete hier auf der Zeche Carolus Magnus.

Er war jüdischer Herkunft und heiratete eine Nichtjüdin. Da der Sohn Engelbert auf die jüdische Volksschule ging, galt er als Volljude. Deshalb wurde er deportiert.

Sein letztes Lebenszeichen auf einer Postkarte lautete:

„Ich bin gesund, es geht mir gut. Dank für die Postsendungen. Engelbert.“

Seine Mutter sagte dazu: „Wir hörten nie wieder etwas von ihm. Man hat ihn umgebracht. Wann und wo er sterben musste, konnten wir nie erfahren.“

Grünebaum geb. Plaut, Clementine

Geb. 13.12.1871, am 27.4.1942 nach Holbecks Hof, am 21.7.1942 in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Grund der Verfolgung: Jüdin.

Marktsraße 56 (früher: Borbecker Str. 111)

Stolperstein am 24.1.2006 verlegt. Pate: Frau Jeusfeld, Mitarbeiterin der Sutter-Gruppe.

Über Clementine Grünebaum geborene Plaut ist nichts Näheres bekannt.

Seelmann, Adele

Geb. 7.2.1879, am 22.4.1942 nach Izbica deportiert. Grund der Verfolgung: Jüdin.

Marktstraße 56 (früher: Borbecker Str. 111)

Stolperstein am 24.1.2006 verlegt.

Adele Seelmann war eine Tochter von Albert Seelmann, der schon 1868 als Metzger und später auch als Wirt in Borbeck lebte. Ihr Bruder Benedikt hatte in Dellwig eine Metzgerei eröffnet. Sie führte die Gastwirtschaft ihres Vaters weiter.

Heute ist dort die Gastwirtschaft Rolef gegenüber der Post.

Theodor Hartz

Grund der Verfolgung: "Salesianer Don Boscos/Jugendarbeit" 

Deportiert am: 15.04.1942

Deportiert nach: Gefängnis Trier 

Verstorben am: 23. August 1942 im Konzentrationslager Dachau

Ausführliche Informationen zu Theodor Hartz finden sich hier.

Johannes Klein

Geb. 20.3.1906, nach Zuchthaus und Konzentrationslager im Dezember 1944 als Angehöriger des Strafbataillons 999 gefallen. Grund der Verfolgung: Mitglied der SPD.
Rechtstr. 38
Stolperstein am 24.1.2006 verlegt.
Der in Borbeck geborene Johannes Klein gehörte einer sozialdemokratischen Widerstandsgruppe an. Er wurde 1935 verhaftet und verbrachte nach brutalen Gestapo-Verhören ein Jahr im Gefängniskrankenhaus. Er fiel als Angehöriger des Strafbataillons 999 in Jugoslawien.

Ida Lazarus, geb. Berghausen und Gustav Lazarus

 

Gustav Lazarus

Geb. 18.4.1869, am 22. 4.1942 nach Holbecks Hof, am 21.7.1942 nach Theresienstadt, dort ermordet. (Jude)

Otto-Brenner-Str. 47 (früher: Prinzenstr. 7)

Stolperstein am 13.4.2006 verlegt. Pate: Mitarbeiter der Sutter-Gruppe.

 

Lazarus geb. Berghausen, Ida

Geb. 28.10.1872, am 28.4.1942 nach Holbecks Hof, am 21.7.1942 nach Theresienstadt, dort ermodet. (Jüdin)

Otto-Brenner-Str. 47 (früher: Prinzenstr. 7)

Stolperstein am 13.4.2006 verlegt. Pate: Mitarbeiter der Sutter-Gruppe.

Ida Lazarus geborene Berghausen besaß in dem Haus Borbecker Straße 136 (heute Borbecker Platz 5) ein Fotoatelier.

Viele Borbecker Familien ließen sich bei Berghausen fotografieren.

Ihr folgte als arischer Fotograf L. Menke.

 

Quellenangaben

Fotos: Konfirmanden der Ev. Kirchengemeinde Essen-Borbeck-Vogelheim

Texte: Der Kultur-Historische Verein Borbeck e.V. auf dieser Seite. Wir bedanken uns sehr für die wertvolle Zusammenstellung der Informationen zu den Biographien.

weitere Infos zu den Stolpersteinen mit einer Übersichtskarte beim Historischen Portal der Stadt Essen.